Geographie rassismuskritischer unterrichten

Das Fach Geographie ist wie kein zweites eng verwoben mit dem europäischen Kolonialismus. Die Geschichte der Geographie lässt sich parallel zur Geschichte der Entstehung von kolonialen Bestrebungen in Europa erzählen, deren Verbindungen sich bis in die Gegenwart ziehen. Ein digitales Lernportal soll für Interessierte eine Unterstützung sein, mehr über die Geschichte der Geographie zu lernen und einige Anregungen zu einem rassismuskritischen Umgang mit geographischen Unterrichtsmaterialien geben.

Die Auseinandersetzung mit einem rassismuskritischen Geographieunterricht bedeutet für (angehende) Lehrer:innen zweierlei: Erstens ist es für ein umfassendes Verständnis aktueller geographischer Strukturen grundlegend, sich mit kolonialer Geschichte und den daraus resultierenden Macht- und Herrschaftsverhältnissen zu beschäftigen. Nur so lassen sich die gesellschaftlichen und globalen Verhältnisse verstehen, die unser Verständnis von der Welt formen. Zweitens erfordert das wachsende Bewusstsein für den Zusammenhang von Rassismus und Kolonialismus, dass bei einer Auseinandersetzung mit globalen Themen rassistische und aus dem Kolonialismus hervorgegangene Vorurteile und Stereotype kritisch reflektiert werden müssen. Diese Vorurteile und Stereotype sind immer noch dominant, wenn es darum geht, das Verhältnis zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden sowie geographischen Zusammenhängen zu betrachten. Oft bestimmen sie unreflektiert Problemwahrnehmungen und reproduzieren damit die Machtverhältnisse, welche globale Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Rassismus hervorgebracht haben und immer noch hervorbringen.

Das interaktive digitale Lernportal ist nur ein Anstoß zur Reflexion der eigenen Arbeit als lehrende, forschende oder lernende Person im Kontext der Geographie. Die Auseinandersetzung mit verinnerlichten Rassismen und Weltbildern ist ein fortlaufender Prozess. Das Portal kann dabei nur ausgewählte Akzente setzen.